Sexuelle Scham, Hemmungen und Unsicherheit
Sex vor der Ehe, Homosexualität, Selbstbefriedigung - viele Regeln und Verbote, die Sexualität betreffen, sind in unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr oder nur noch abgeschwächt vorhanden. Und trotzdem gibt es auch in diesem vermeintlich offenen kulturellen Klima erstaunlich viele Menschen, die mit Schamgefühlen zu tun haben und befürchten, sexuell irgendwie nicht „normal“ zu sein oder etwas falsch zu machen.
Performance vs. Sex-Education
Wenn man etwas über Sex lernen will, dann kann man sich ja angucken, wie es geht – oder? Leider ein großer Irrtum. Pornografie ist eine Performance mit dem Ziel, intensive erotische Reize bei den Zuschauer:innen auszulösen. Dieser performative Sex für die Kamera ist ziemlich weit weg von dem Sex, der in den meisten Schlafzimmern stattfindet und bietet keine guten Anhaltspunkte dafür, wie sich erfüllte Sexualität anfühlt. Wichtige Themen wie Consent, Austausch über Vorlieben oder sogar einfache Fakten über Anatomie und Erregung bleiben außen vor. Auch der Vergleich mit den Körpern der Darsteller:innen kann zu Unsicherheiten führen.
Zugang zur eigenen Sexualität
Oft fällt es uns schwer, die eigenen sexuellen Wünsche und Neigungen zu beschreiben. Wir schämen uns, drucksen herum, uns fehlt schlicht die Sprache für unsere Sexualität. Aufgrund erlernter Normen und Rollenbilder befürchten wir vielleicht, von anderen abgelehnt zu werden. Manchmal sind bestimmte Facetten unserer sexuellen Identität sogar so stark tabuisiert, dass sie uns selbst kaum zugänglich sind. Doch was verdrängt ist, beeinflusst dennoch unser Fühlen und Handeln. Dann verstehen wir uns selbst nicht mehr und ziehen uns verwirrt zurück.
Selbstbewusstsein kommt von Selbst bewusst sein
Wer sich seiner Selbst bewusst ist, kennt die eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Turn-Ons und lernt sich zu akzeptieren, wie er oder sie ist. In der Beratung können wir tabuisierte Anteile deiner Sexualität behutsam ins Bewusstsein holen. In deinem Tempo begleite ich dich dabei, sie liebevoll anzunehmen und einen für dich passenden Umgang zu finden.
BDSM- und kink aware Beratung
Sadomasochistische Neigungen galten lange als "Perversion" und damit als krank. Diese Ansicht ist heute in der Fachwelt umstritten! Viele Menschen ziehen einen erotischen Reiz aus dem Spiel mit Dominanz und Unterwerfung und entsprechende Fantasien sind weit verbreitet.
Störung oder Neigung?
Laut dem neuesten Diagnosekatalog ICD-11 fallen einvernehmlich ausgelebter Sadomasochismus und Fetischismus nicht länger unter die Diagnosekriterien für sexuelle Störungen. Leider passiert es aber immer wieder, dass BDSM praktizierende Menschen in Beratung und Therapie pathologisiert werden – das bedeutet, Dinge werden als krank eingeordnet, die gar nicht krank sind sondern Ausdruck von Persönlichkeit und individueller Sexualität. Nichtsdestotrotz gibt es auch weiterhin einen Bereich von sexuellen Vorlieben, der als psychisch krank gilt und zu strafbaren Handlungen führen kann (zum Beispiel Exhibitionismus).
Das entscheidende Stichwort ist „einvernehmlich“
Du bist dir nicht sicher, wie und ob du etwas ausleben solltest? Lass und über Consent sprechen. Auch wenn du dir unsicher bist, ob du in einer Missbrauchsdynamik oder in einer BDSM-Dynamik bist, dann kann es eine sehr gute Idee sein, einmal in einer kink-aware Beratung darüber zu sprechen. Es gibt klare Unterscheidungskriterien. Nicht jeder „Master Daddy Dom“ auf Instagram praktiziert sicheren BDSM und gerade jemand, der dich unter Druck setzt, dich niemandem außerhalb eurer Dynamik mitzuteilen, ist eine wandelnde Red Flag!
Risiken und Verantwortung
BDSM-Praktiken beinhalten immer ein gewisses Risiko für das mentale und / oder körperliche Wohlergehen und die Community hat eine Reihe von Strategien (Safewords, Aftercare..) und Haltungen (SSC safe sane consensual, RACK risk aware consensual kink..) entwickelt, um mit diesen Risiken verantwortungsvoll umzugehen. Gerade wenn BDSM neu für dich ist, ist es wichtig, sich damit zu beschäftigen – unabhängig davon, ob du in einer führenden Rolle bist oder Kontrolle abgeben willst.
Kink-Aware Professional
Ich bin Teil der deutschsprachigen Sektion von KAPA (Kink-Aware Professionals Association). Das bedeutet, in meiner Beratung eröffne ich dir einen sicheren Raum, in dem du über Neigungen, Fantasien und BDSM-Praktiken sprechen kannst, ohne dafür verurteilt oder bewertet zu werden. Die entscheidenden Kriterien sind für mich Einvernehmlichkeit sowie die Einschätzung von Selbst- und Fremdgefährdung. Zusammen schauen wir, wie dein Weg zu einer erfüllten Sexualität aussehen kann.
Ungleiche Lust in der Partnerschaft - „einer will immer, der andere nie“
Ungleiche Lust in der Partnerschaft ist einer der häufigsten Gründe, aus denen Menschen eine Paarberatung aufsuchen. Oft hat sich ein bestimmtes Muster über längere Zeit, manchmal über Jahre, eingeschlichen.
Die Push-Pull Dynamik
Die Person, die spontan mehr sexuelles Verlangen spürt, versucht Sex zu initiieren. Die Person, die spontan weniger sexuelles Verlangen spürt, weicht aus. Steckt man in dieser Dynamik hat man schnell den Eindruck, einer wolle „immer“, der andere „nie“. Das kann sich für beide richtig scheiße anfühlen. Team „immer“ fühlt sich zum Beispiel frustriert, ungeliebt, zurückgewiesen. Team „nie“ fühlt sich unter Druck gesetzt, unverstanden und auf seinen / ihren Körper reduziert. Beide fühlen sich hilflos. Oft ist die Sache so festgefahren, dass schon ein Wort oder eine Geste ausreicht, um Streit und Missverständnisse auszulösen.
Den Kreis durchbrechen
Zuerst einmal geht es darum zu verstehen, was überhaupt abgeht. Es kann gute Gründe geben, keinen Sex zu wollen – ein Nervensystem im chronischen Stress, fehlende emotionale Nähe, traumatische Erfahrungen zum Beispiel. Manchmal passt auch einfach die Sexualität, die bisher versucht wurde zu leben, nicht gut zu den eigenen Bedürfnissen. Und es kann auf der anderen Seite auch Gründe geben, um Sex zu wollen, die nicht nur mit Lust zu tun haben, zum Beispiel der Wunsch nach Bindung, Entspannung oder Bestätigung. Wenn ihr euch selbst besser verstehen lernt, wird auch Verständnis für den anderen wieder möglich. Im besten Fall findet ihr zu einer neuen, reicheren Paarsexualität, die für euch beide erfüllend ist.
Sexuelles Erleben verstehen
Wenn andere über ihre sexuellen Erfahrungen sprechen fühlst du dich regelmäßig als wärt ihr alle im Kino gewesen, aber du als einzige:r hast einen anderen Film gesehen? Deine Lust ist manchmal da und manchmal nicht, ohne dass du eine Logik dahinter erkennst? Im einen Moment bist du voll dabei und im nächsten fühlen sich Körperteile plötzlich taub an oder du klinkst dich mental aus und kriegst gar nicht mehr so richtig mit, was passiert? Bei einem Höhepunkt kommst du entweder gar nicht an oder viel zu schnell und schön ist es auch nicht? Und hinterher geht es dir immer irgendwie schlecht?
Aber warum?
Du hast dir schon so oft den Kopf darüber zerbrochen, was mit dir los sein könnte und es gibt da diese eine ambivalente Sache, die dir mal passiert ist.. aber ein Trauma ist das bestimmt nicht weil Trauma werden nur durch krasse Sachen ausgelöst bei denen Täter und Opferrolle eindeutig verteilt sind und wo jemand am Ende eine Freiheitsstrafe kriegt und anyways, so genau kannst du dich gar nicht erinnern also ist es bestimmt auch nicht wichtig? Vielleicht doch.
Was ist überhaupt ein Trauma
Trauma bedeutet „seelische Wunde“. Wie bei körperlichen Wunden auch kann das eine kleine Verletzung sein, die von selbst vernarbt. Oder es ist ein lebensgefährlicher Notfall, der sofort versorgt werden muss. Meistens ist es irgendwas dazwischen. Wenn Sex für dich mit Taubheit, diffusen Schmerzen, Erstarren, mentalem Ausklinken (Dissoziation), Erinnerungslücken und negativen Emotionen wie Trauer, Wut und Ekel verbunden ist, dann ist es leider nicht unwahrscheinlich, dass eine seelische Wunde dahinter steckt. Diese Wunde muss nicht zwangsläufig mit Sex zu tun haben, um sich auf dein sexuelles Erleben auszuwirken!
Hypersexualität
Ein großes Missverständnis beim Thema sexuelle Traumatisierung ist, dass sie immer dazu führt, Sexualität zu meiden. Das ist EINE mögliche Reaktion. Eine andere ist genau das Gegenteil: so viel Sex mit so vielen Menschen wie möglich. Oft steckt dahinter ein Wunsch, die eigene Sexualität „zurückzuerobern“ oder der Wunsch, eine schmerzhafte Erfahrung unter so vielen anderen Erfahrungen zu begraben, bis man sie nicht mehr spürt. Leider führt das oft nur zu weiteren seelischen Wunden.
Einfach nur anders
Wenn dein sexuelles Erleben sich von dem der meisten anderen Menschen unterscheidet, kann das aber auch überhaupt nichts mit Trauma zu tun haben! Vielleicht ist das, was du sexuell versuchst umzusetzen, einfach nicht passend für dich. Unsere kulturell geprägte Vorstellung davon, was „echter Sex“ ist, ist ziemlich begrenzt und es lohnt sich, den Horizont zu erweitern. Menschliche Erotik kann unfassbar vielseitig sein. Vielleicht geht es nicht darum, dich zu „reparieren“, damit du in eine Schublade passt, sondern darum neugierig und offen dafür zu werden, was deine Lust braucht, um zu erblühen.